Jahresarchiv für 2015

states of exhaustion
Holzstühle, die - wie verwundete Tiere - gleichsam „alle Viere in die Luft strecken“: Auf dem Kopf stehend, seitlich hingesunken zeigen sie verletzte Beine, geknickt, ungesund abgespreizt, in schlauchförmigen Bandagen / Verbänden steckend.

Es ist ein klares Pathos-Bild aus dem Tierreich der Gegenstände; ein Tableau gebrochener, beschädigter Kreatürlichkeit, eine dingliche Metapher für die funktionelle Uselessness prekär gewordener Existenzen.

Die große affektive, emotionale Wirkung dieser Installation gewährt allerdings auch die Möglichkeit, einige der Motive weiterzudenken: Bezeichnender Weise handelt es sich hier um Sitzmöbel, also um Möbel, die gemeinhin als Objekte angesehen werden, die dem Menschen das Aus-Ruhen ermöglichen.

Wurden sie, erhebt sích die Frage, schlecht behandelt? Wurden sie als Gebrauchs-Objekte und als praktische Alltagsbegleiter überbeansprucht, als Hilfsmittel überstrapaziert? Wurden sie achtlos weggeworfen? Haben sie AUSGEDIENT? - Wie verfahren wir mit ausgedienten …. Dingen, Menschen, Tieren: Pflegen wir sie, reparieren wir sie oder werfen wir sie auf den Müll, schieben sie ab in uneinnehmbare Räume: in den Keller, ins Altenheim, in die Klinik?

Fragen, die auf den klinischen Komplex hinweisen, auf die medizinische Reparatur-Industrie in grossem Stil, auf die REHA-Fabriken, in welchen massenweise und wie am Fliessband funktionstüchtige Menschen wieder-hergestellt werden (sollen). (Chris Zintzen, 2017, aus dem Text zur Ausstellung Pause - link zum vollständigen Text

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states of exhaustion
Ausstellungsansichten: Installation, Basement, Wien 2014
Fotoobjekte in Holzbox, ca 30 x 25 x 25 cm, masc foundation, Wien 2016

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exhausted, Video, 20 sec., 2015
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wünschen woran wir nicht glauben
Nach einer Beeinflussung von Außen strebt ein stabiles System in der Regel zu seinem Ursprungszustand zurück. Dieses Verhalten inkludiert gewisse Garantien wie Kontinuität, Gewissheit und Voraussicht, die das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit, Ruhe und Ordnung befriedigen.
Was aber passiert, wenn ein anscheinend stabiles System mehr und mehr instabil wird?
Maria Hanl entwickelte mehrere Modelle um diese Schnittstellen sichtbar zu machen. Ihre installativen Anordnungen folgen vorrangig einem streng formalen Weg und eröffnen dennoch ein Spektrum an sinnlichen Erfahrbarkeiten, ohne den spezifisch menschlichen Focus zu vernachlässigen.
Die Rauminstallation >stabilize me< ist eine räumliche Anordnung von weißen Holzleisten, die derart verkeilt sind, sodaß sie sich gegenseitig stützen. Eine geringe Einflußname von außen würde diese Anordnung zwar nicht zerstören, jedoch bleibend verändern. Die Länge der Stäbe steht in Beziehung zum Raum und zur Körpergröße der Künstlerin.
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Ausstellunsansicht k-haus, Passage, 2012

ground
Die Videoinstallation ground wurde für das Barockschlössl in Mistelbach konzipiert.
Es greift die gediegene Ordnung des alten Intarsienbodens in einem barocken Raum auf, der sich durch eingelegte Scheiben aus Metall auszeichnet. Diese Scheiben scheinen sich in diesem Animationsvideo plötzlich zu vermehren und beginnen, sich zu bewegen. Der Boden wird zu einem lebendigen aber damit auch unberechenbaren Ort, der das Versprechen nach Stabilität und Sicherheit nicht mehr einlöst.

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Videoinstallation für das Barockschlössl Mistelbach, 2014

I am stable, thank you !
Diese Installation ist auf zwei Räume aufgeteilt. Im ersten Raum befindet sich eine Wasserwaage, die, gestützt durch zwei zwischen den Wänden verkeilten Holzleisten, in Position gehalten wird. Im zweiten Raum hängt ein gerahmtes Foto dieser Wasserwaage an der Wand, deren waagrechte Position nur stimmig ist, wenn das Bild schief hängt.

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Installation, Holz, Wasserwaage, Fotografie,
Mistelbach, Barockschlössl 2014

limited systems

Im Fokus der Betrachtungen steht der Mensch als soziales Wesen, mitunter als Trainer seiner selbst und Optimierer seiner Könnenschancen, als Individuum in einer Welt scheinbar grenzenloser Möglichkeiten, in der er letztendlich doch immer wieder zurückgeworfen ist auf sich selbst. Konfrontiert mit seiner Unzulänglichkeit und mit der täglichen Möglichkeit des Scheiterns und Sterbens. Die Arbeiten aus der Serie limited systems versuchen in unterschiedlichen installativen Anordnungen die sozialen Bedingungen des Lebens aufzugreifen. Gruppierungen in scheinbar losen Verbindungen, permanete Veränderungen durch Eingriffe von Außen und eine offensichtliche Fragilität zeichnet die Arbeiten aus.

Für lean on me wurden Schulterpolster zu einer Wandinstallation zusammengefügt, die ähnlich einem Mobile eine fragile Anordnung bilden. Der sich aus dem Titel ableitende Aufforderungscharakter wird dadurch ad absurdum geführt.
EXIST wurde Ton in situ an der Wand aufgebracht, der sich bereits nach kurzer Zeit von der Wand zu lösen begann und nur einen zarten Schriftschatten zurückließ.
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line 2015
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bricolage, Pavillon am Milchhof, Berlin 2015
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limited systems
Showroom Hrobsky, Wien 2015
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raster, komprimiert
Textilklebeband auf Wand, Maße variabel
Ausstellungsansichten
oben: Barockschlössl Mistelbach, 2014
und Showroom Hrobsky, 2015
Ein Raster mit den ursprünglichen Maßen von 10 x 1,5 m in sich auflösendem und komprimiertem Zustand.

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Installation
Schulterpolster, Nylon, Holz, 2015