Archiv für die 'spacial practice' Kategorie

SPACIAL PRACTICE


Pigmentdruck auf Hahnemühle FotoRag, 50 x 60 cm und 40 x 60 cm, 2025



subjektiverstandpunkt, Textarbeit, 2025



Sich einem Ort annähern
Artist in Residence, Kunstnarhuset Messen, Norwegen, 2023

performative Fotografie, Selbstauslöser, Ålvik, Norwegen

Viele, viele Steine am Strand erzählen von der Industrie einige Meter weiter. Heute wird unter anderem Ferrosilicium hergestellt. Zum ersten Mal machte diese Firma 1934 ordentlich Profit. 1934?
Sie verdienten am 2. Weltkrieg, an Vietnam, an Korea…erzählte mir Oeven, ein ehemaliger Arbeiter. Und heute?
Man kann in diesem Ort am Strand sitzen und umgeben von hohen Felsen, diese Fabrik und ihr globales Wirken völlig ausblenden. Man kann sich an den hübsch gestrichenen Häusern erfreuen, und sich der Illusion hingeben, dass die Welt hier ursprünglich und in Ordnung wäre. Dennoch ist sie es nicht. Der globalisierte Kapitalismus hat diesen Ort fest im Griff. Die Eigentümer der Fabrik sind heute längst aus China. Die Schiffe bringen das Rohmaterial aus Leirpollen, Tana (Norwegen) und das gewonnene Ferrosilicium geht nach Rotterdam. Von Rotterdam aus geht das Material in alle Welt – wohin genau ist ein Firmengeheimnis.

Danke an Kunstnarhuset Messen für die Möglichkeit und der Österreichischen Botschaft in Oslo und dem BMKÖS für die Unterstützung dieses Arbeitsaufenthalts.


Eine Landschaft schaut mich an
(oder Erzählungen von der unberührten Natur)

Ich schaue in die Landschaft und es blicken mich sämtliche stumme Gesichter an: die für den Sommer mit grünen Abdeckungen versehenen Schneekanonen. Ein seltsamer, aber vertrauter Anblick. Ich kann sofort eine Verbindung zu einem menschlichen Gesicht herstellen und zu aktuellen Phänomenen, die unsere Gesellschaft betreffen: Anonymisierung, Atomisierung, Gleichschaltung, Technisierung, Monetarisierung. Wie verlorene Soldaten einer vergangenen Zeit scheinen diese Figuren die vorbeigehenden Wanderer zu beobachten. Den Blick dieser Figuren habe ich in mich aufgenommen. Er hat mich begleitet.

Es ist seltsam. wenn man als Künstlerin in einem 3000 Plätze fassenden Bergrestaurant zwei Wochen zum Arbeiten verbringt. Man kann tief in den Bauch einer Gesellschaft und Industrie hineinsehen, deren Teil man auf eine bestimmte Weise immer ist. Auf erschreckend klare Weise ist man mit all den Widersprüchen einer Gesellschaft verknüpft, deren Fundamente auf Ausbeutung und Gewinnmaximierung fußen.

Meine künstlerische Arbeitsweise betrachte ich als Beobachtung und Reflexion, bei der ich mich als Individuum immer wieder im Kontext zur Gesellschaft betrachte. Die auf diese Weise generierten Erkenntnisse, die hergestellten Verhältnisse und die gestellten Fragen sind kein Tanz um das eigene Ich, sondern der Versuch, diese Welt in all ihrer Widersprüchlichkeit zu begreifen. (SilvrettAtelier2022)

In welche Richtung? – performatives Video, 2022 (1min)
Installationsansicht: Bildraum (Textil, Fundstücke, Zeichnung, Text)
in die Landschaft zeichnen / eine Verbindung haben, Pigmentdruck auf Büttenpapier und Baumwolle 2022/23





DRAWINGS
Foto- und Videoarbeit des Projekts FÜNFTAGEWOCHE – realisiert während der AIR 2021 im Rahmen von Kunstfabrik4.0/Kulturhauptstadt2024

drawings: performatives Video, Fotografie, 2021

drawings nennt Maria Hanl das performative Video, das im Rahmen ihres Projektes FÜNFTAGEWOCHE in der alten Elektrizitätswerkstätte der Papierfabrik Steyrermühl entstand.
Dabei wird „ZEICHNEN“ als ganzkörperlicher Prozess verstanden,
bei dem die im Raum verspannten Textilbänder durch präzise Bewegungen immer aufs neue Bezugs- und Raumlinien aufgreifen
und verändern. Diese Videoarbeit ist Teil einer installativen Anordnung, in der sich Hanl mit den Räumen dieses industriellen Erbes und dem Phänomen von Arbeit beschäftigt.
Hanl ist in ihrer Auseinandersetzung an Prozessen interessiert. Aus dieser meist sehr offenen Reise entstehen analytische, klare und poetische Installationen.

FÜNFTAGEWOCHE
Maria Hanl – Künstlerin
Dienstag bis Samstag 9-12 und 13-17 Uhr

(ein Projekt im Rahmen von Kulturhauptstadt 2024)

Der Steyrermühl-Konzern war ein im 19. und 20. Jahrhundert bedeutender österreichischer Medienkonzern, der die Papierfabrikation ebenso umfasste wie Druckereien, Zeitungen und Buchverlage. Über viele Jahre bestimmte diese Fabrik das Leben der Menschen, die sich hier – oft wegen der vorhandenen Arbeit – ansiedelten. Auch heute arbeiten in der Fabrik – mittlerweile im Besitz von UPM – immer noch ca. 400 Menschen.
Ein großes Areal der alten Fabrik wird jedoch heute nicht mehr zur Papierherstellung genutzt. Gebäude dienen als Lagerplatz, Standorte für kleinere Firmen oder stehen leer.

Im Frühling 2021 wurde ich gefragt, ob ich als Künstlerin für eine Woche in einem dieser Leerstände arbeiten möchte. So wurde das ehemalige Elektrizitätswerk für einige Tage zum Ort meiner künstlerischen Arbeit.

Veränderung ist nicht nur diesem Ort eingeschrieben, sondern Veränderung ist die Grundbedingung des Menschseins. Mit dieser Grundbedingung einer ständigen Transformation habe ich mich in der Fünftagewoche beschäftigt. Ich habe mich dabei auf eine relativ offene Reise begeben und Materialien und Situationen die ich im Umfeld der Fabrik vorgefunden habe in meine Arbeit integriert.

Im ersten Stock wurde von mir ein „Büro“ mit fixen Dienstzeiten eingerichtet, in dem man mich auch unkompliziert besuchen konnte. Dieses Büro veränderte sich im Laufe der Woche: Fundstücke, Objekte, Fotografien, Videosequenzen, Zeichnungen usw. wurden an Wand und Boden in immer unterschiedlichen Zusammensetzungen geordnet, arrangiert, ergänzt usw. Durch die ironische Selbstauferlegung von klassichen Arbeitszeiten und der Einrichtung des „Büros“ wurde das Thema Arbeit sehr direkt aufgegriffen und der künstlerischen Arbeitsprozess selbst zum Thema gemacht. Ist Kunst Arbeit ? Was ist Arbeit bzw. was kann oder könnte Arbeit sein ? Wie beeinflusst uns das was wir tun und wie formt es unseren Blick auf die Welt und die Möglichkeiten wie wir ihr begegnen ?

Fünftagewoche, Büro, Dienstzeiten, Bürokleidung, installative Anordnungen
Kunstfabrik4.0, Steyrermühl 2021

Fünftagewoche, aus dem Arbeitsprozess: Büro und Halle
Kunstfabrik4.0, Steyrermühl 2021