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DAS GEWICHT VON PAPIER
Papierfabrik Steyrermühl

War es im Rahmen der Residency 2021 in Steyrermühl vor allem der ORT, der Maria Hanl künstlerisch interessierte, kommen 2023 verstärkt die WORTE ins Spiel, gedacht als Sprache, die gesellschaftliche Verhältnisse benennt und beschreibt. Sprache kann Abhängigkeiten und Ausbeutungsverhältnisse ansprechen, sie kann jedoch auch das Gegenteil: sie verschleiern und hinter glatten Begriffen fast unsichtbar machen.

Vieles ist heutzutage „smart“ und auf den ersten Blick auf das Wohl der Menschen gerichtet. Maria Hanl blickt in ihrer Auseinandersetzung aus dem Blickwinkel einer bildenden Künstlerin hinter die Fassaden von Begrifflichkeiten. In ihrem Künstlerbuch „Mantra aus dem Anthropozän“ spielt sie auf Glaubenssätze an, die von vielen Menschen in einer neoliberal-kapitalistischen Welt selbstverständlich und daher oft unhinterfragt übernommen werden. Es stellen sich für die Künstlerin daher immer auch gesellschaftliche Fragen: welche Solidarität ist in einer Gesellschaft möglich, deren ureigenster Motor die Konkurrenz darstellt?

Eine Gesellschaft, deren wichtigster Wert der Profit ist, wird, in dieser Logik, selbigem alles unterordnen. Die Natur und der Mensch selbst verkommen damit zu Ressourcen, die es zu benützen, zu verwerten und zu kontrollieren gilt. Das Lebendige und die Verbundenheit mit dem Lebendigen werden dabei unweigerlich auf der Strecke bleiben.

Das von der Künstlerin geschaffene installative Setting, eröffnet Sichtweisen und Fragen, die uns Menschen an der Schwelle in ein Neues Zeitalter betreffen. Denn schließlich geht es um nichts geringeres, als um die Frage, wie wir als Menschen in dieser Welt sein möchten.

Das Material Papier (bzw. sein Rohstoff) und Elemente aus der ehemaligen Fabrik (wie Meßgeräte, Metallteile usw.) werden dabei von Maria Hanl geschickt in die Szenografie eingebaut, die sowohl Text, Video, Fotografie und textile Objekte miteinschließt.

ERKENNEN WIR
DIE ALTEN MUSTER
IM NEUEN
DESIGN?

Performative Fotografie mit Textarbeiten auf Textil, 2023

FEAR
PUNISH
CONTROL
SURVEILLANCE
MANIPULATION
MONITORING
PUNISH
FEAR

Textarbeit auf Baumwolle
2023



UND WIEDER
HÜLLT SICH
ÜBER ALLES
EIN MANTEL
AUS
SCHWEIGEN

Temporäre Zusammenführungen auf zwei Tischen
mit Fundstücken, Texten, Zeichnungen, Fotografie


MAN ÄNDERTE
EINFACH
GESETZE (1)
UND SCHON
GESCHAH DIE ARISIERUNG
DER PAPIERFABRIK STEYRERMÜHL
GANZ LEGAL

[1] Die Amann-Verordnung der Reichspressekammer in Berlin vom 2. Mai 1938, beschloss, dass nach Ablauf von drei Monaten die Herausgabe von Zeitungen durch Aktiengesellschaften verboten sei






Gespaltene Zunge

Textarbeit auf Papierbahn
60cmx350cm, 2023



MANTRAS AUS DEM ANTHROPOZÄN
Textarbeiten auf Papierbahnen

Mantras aus dem Anthropozän, Ppierobjekte, 2023
Textarbeiten auf Papierbahnen, ca. 110cm x500cm
Installationsanischt: Papiermachermuseum Steyrermühl, 2023







DRAWINGS
Foto- und Videoarbeit des Projekts FÜNFTAGEWOCHE – realisiert während der AIR 2021 im Rahmen von Kunstfabrik4.0/Kulturhauptstadt2024

drawings: performatives Video, Fotografie, 2021

drawings nennt Maria Hanl das performative Video, das im Rahmen ihres Projektes FÜNFTAGEWOCHE in der alten Elektrizitätswerkstätte der Papierfabrik Steyrermühl entstand.
Dabei wird „ZEICHNEN“ als ganzkörperlicher Prozess verstanden,
bei dem die im Raum verspannten Textilbänder durch präzise Bewegungen immer aufs neue Bezugs- und Raumlinien aufgreifen
und verändern. Diese Videoarbeit ist Teil einer installativen Anordnung, in der sich Hanl mit den Räumen dieses industriellen Erbes und dem Phänomen von Arbeit beschäftigt.
Hanl ist in ihrer Auseinandersetzung an Prozessen interessiert. Aus dieser meist sehr offenen Reise entstehen analytische, klare und poetische Installationen.

FÜNFTAGEWOCHE – Alte Paierfabrik Steyrermühl
Maria Hanl – Künstlerin
Dienstag bis Samstag 9-12 und 13-17 Uhr

(ein Projekt im Rahmen von Kulturhauptstadt 2024)

Der Steyrermühl-Konzern war ein im 19. und 20. Jahrhundert bedeutender österreichischer Medienkonzern, der die Papierfabrikation ebenso umfasste wie Druckereien, Zeitungen und Buchverlage. Über viele Jahre bestimmte diese Fabrik das Leben der Menschen, die sich hier – oft wegen der vorhandenen Arbeit – ansiedelten. Auch heute arbeiten in der Fabrik – mittlerweile im Besitz von UPM – immer noch ca. 400 Menschen.
Ein großes Areal der alten Fabrik wird jedoch heute nicht mehr zur Papierherstellung genutzt. Gebäude dienen als Lagerplatz, Standorte für kleinere Firmen oder stehen leer.

Im Frühling 2021 wurde ich gefragt, ob ich als Künstlerin für eine Woche in einem dieser Leerstände arbeiten möchte. So wurde das ehemalige Elektrizitätswerk für einige Tage zum Ort meiner künstlerischen Arbeit.

Veränderung ist nicht nur diesem Ort eingeschrieben, sondern Veränderung ist die Grundbedingung des Menschseins. Mit dieser Grundbedingung einer ständigen Transformation habe ich mich in der Fünftagewoche beschäftigt. Ich habe mich dabei auf eine relativ offene Reise begeben und Materialien und Situationen die ich im Umfeld der Fabrik vorgefunden habe in meine Arbeit integriert.

Im ersten Stock wurde von mir ein „Büro“ mit fixen Dienstzeiten eingerichtet, in dem man mich auch unkompliziert besuchen konnte. Dieses Büro veränderte sich im Laufe der Woche: Fundstücke, Objekte, Fotografien, Videosequenzen, Zeichnungen usw. wurden an Wand und Boden in immer unterschiedlichen Zusammensetzungen geordnet, arrangiert, ergänzt usw. Durch die ironische Selbstauferlegung von klassichen Arbeitszeiten und der Einrichtung des „Büros“ wurde das Thema Arbeit sehr direkt aufgegriffen und der künstlerischen Arbeitsprozess selbst zum Thema gemacht. Ist Kunst Arbeit ? Was ist Arbeit bzw. was kann oder könnte Arbeit sein ? Wie beeinflusst uns das was wir tun und wie formt es unseren Blick auf die Welt und die Möglichkeiten wie wir ihr begegnen ?

„Büro“
Dienstag bis Samstag 9-12 und 13-17 Uhr
Alte Elektrohalle, Papierfabrik Steyrermühl, 2022