Die Brüchigkeit der Mitte

Installation, Salzamt Linz, 2025

Unsere Welt ist brüchig, der Mensch ist verwundbar. Mit Angst beherrschbar.
In diesen Arbeiten habe ich Gedanken und Assoziationen mittels fragiler Verbindungen hergestellt. Es ist ein Anfang. Und die Reise ist ungewiss.

Mehr ist eigentlich nicht zu sagen

Text-Shirts, Digitalprint auf Biobaumwolle in den Größen XS – XL, 2024
auspodest, Gruppenausstellung Oberösterreichischer Kunstverein, 2024

Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. So wie eine Schale als rund und nicht als eckig bezeichnet wird. So wie das Gefängnis, Gefängnis und nicht Schutzhaft genannt wird. So wie Mord Mord und nicht Spezialoperation genannt wird. So wie Solidarität als Eintreten füreinander und nicht als Verordnung von oben bezeichnet wird. So wie Freiheit Freiheit und nicht Willkür genannt wird. So wie Waffen als Tötungsmaschinen und nicht als Friedensbringer bezeichnet werden…

Dieser Text bezieht sich auf das Gedicht „Ich will dich“ der Lyrikerin Hilde Domin. (Hilde Domin: «Ich will dich»  Fassung von 1995) In der letzten Passage dieses Gedichts bezieht sie sich auf Konfuzius. Sie sagte in einem Interview: „Jede kleinste Verschiebung zwischen dem Wort und der mit dem Wort gemeinten Wirklichkeit zerstört Orientierung und macht Wahrhaftigkeit von vornherein unmöglich.“ Mehr ist eigentlich nicht zu sagen.

inszenierte Fotografie auf Papier (Text: Handsiebdruck auf Shirt) Größe variabel,
2024, Echoraum Wien



emotional lands

womit füllen wir den Raum der zwischen uns entsteht?
Idee: Maria Hanl, Fotoarbeiten: Maria Hanl, Ziad Naitaddi
Banner: Heinestrasse Wien, in Kooperation mit philomena+
Das Zentrum der Macht ist leer, auf dem Stuhl sitzt niemend mehr
2024
Detail: „Das Zentrum der Macht ist leer, auf dem Stuhl sitzt niemand mehr“*
Installation: Fotografie, Zeichnung, Fäden, Spulen, Textil, Porzellan (* Zitat: Paul Verhaeghe) Ansicht: philomena+, 2024

„Hörst du die Melodie?“
Detail, Installation: Fotografie, Baumwolle gestickt auf Seide, Porzellan, Text
Ansicht: philomena+, 2024




HCIUD
(eine Kooperation von Maria Hanl & Michaela Schausberger, 2023/24)


Hciud – 2024/1

hciud, Performance im Rahmen von „emotional lands“, philomena+, Wien


















Was ist der Kitt, der diese Welt zusammenhält? Selbst wenn wir die gleiche Sprache sprechen, verstehen wir uns noch? Wer gibt den Worten ihre Bedeutung und wer entscheidet, was sie bedeuten?
Die bildende Künstlerin Maria Hanl und die Komponistin und Performerin Michaela Schausberger eröffnen dem Publikum einen poetischen Reflexionsraum. Sie nähern sich diesen Fragen in Form einer performativen Zeichnung, in der das Wort in seiner Semantik und Phonation der Ausgangspunkt für die Erkundung der Zusammenhänge zwischen Bewegung/Denken/Spüren ist.

english version:
What is the glue that holds this world together? We speak one language, but do we still understand each other? Who gives words their meaning and who decides what they mean? The visual artist Maria Hanl and the composer and performer Michaela Schausberger approach these questions in the form of a performative drawing, in which the word in its semantics and phonation is the starting point for exploring the connections between movement/thinking/sensing.



hciud – 2023/1

hciud – performative drawing (Bewegung, Stimme, Sound, Video), 2023


 




Sich einem Ort annähern
Artist in Residence, Kunstnarhuset Messen, Norwegen, 2023

performative Fotografie, Selbstauslöser, Ålvik, Norwegen

Viele, viele Steine am Strand erzählen von der Industrie einige Meter weiter. Heute wird unter anderem Ferrosilicium hergestellt. Zum ersten Mal machte diese Firma 1934 ordentlich Profit. 1934?
Sie verdienten am 2. Weltkrieg, an Vietnam, an Korea…erzählte mir Oeven, ein ehemaliger Arbeiter. Und heute?
Man kann in diesem Ort am Strand sitzen und umgeben von hohen Felsen, diese Fabrik und ihr globales Wirken völlig ausblenden. Man kann sich an den hübsch gestrichenen Häusern erfreuen, und sich der Illusion hingeben, dass die Welt hier ursprünglich und in Ordnung wäre. Dennoch ist sie es nicht. Der globalisierte Kapitalismus hat diesen Ort fest im Griff. Die Eigentümer der Fabrik sind heute längst aus China. Die Schiffe bringen das Rohmaterial aus Leirpollen, Tana (Norwegen) und das gewonnene Ferrosilicium geht nach Rotterdam. Von Rotterdam aus geht das Material in alle Welt – wohin genau ist ein Firmengeheimnis.

Danke an Kunstnarhuset Messen für die Möglichkeit und der Österreichischen Botschaft in Oslo und dem BMKÖS für die Unterstützung dieses Arbeitsaufenthalts.


Das Gewicht von Papier

War es im Rahmen der Residency 2021 in Steyrermühl vor allem der ORT, der Maria Hanl künstlerisch interessierte, kommen 2023 verstärkt die WORTE ins Spiel, gedacht als Sprache, die gesellschaftliche Verhältnisse benennt und beschreibt. Sprache kann Abhängigkeiten und Ausbeutungsverhältnisse ansprechen, sie kann jedoch auch das Gegenteil: sie verschleiern und hinter glatten Begriffen fast unsichtbar machen.

Vieles ist heutzutage „smart“ und auf den ersten Blick auf das Wohl der Menschen gerichtet. Maria Hanl blickt in ihrer Auseinandersetzung aus dem Blickwinkel einer bildenden Künstlerin hinter die Fassaden von Begrifflichkeiten. In ihrem Künstlerbuch „Mantra aus dem Anthropozän“ spielt sie auf Glaubenssätze an, die von vielen Menschen in einer neoliberal-kapitalistischen Welt selbstverständlich und daher oft unhinterfragt übernommen werden. Es stellen sich für die Künstlerin daher immer auch gesellschaftliche Fragen: welche Solidarität ist in einer Gesellschaft möglich, deren ureigenster Motor die Konkurrenz darstellt?

Eine Gesellschaft, deren wichtigster Wert der Profit ist, wird, in dieser Logik, selbigem alles unterordnen. Die Natur und der Mensch selbst verkommen damit zu Ressourcen, die es zu benützen, zu verwerten und zu kontrollieren gilt. Das Lebendige und die Verbundenheit mit dem Lebendigen werden dabei unweigerlich auf der Strecke bleiben.

Das von der Künstlerin geschaffene installative Setting, eröffnet Sichtweisen und Fragen, die uns Menschen an der Schwelle in ein Neues Zeitalter betreffen. Denn schließlich geht es um nichts geringeres, als um die Frage, wie wir als Menschen in dieser Welt sein möchten.

Das Material Papier (bzw. sein Rohstoff) und Elemente aus der ehemaligen Fabrik (wie Meßgeräte, Metallteile usw.) werden dabei von Maria Hanl geschickt in die Szenografie eingebaut, die sowohl Text, Video, Fotografie und textile Objekte miteinschließt.

Installationsanischt: Papiermachermuseum Steyrermühl, 2023
…so etwas wie Kartografie, Pestwurz, Traunufer, 2021

Wer spricht? Papierobjekt, 2023

temporäre Zusammenführung, Fundstücke, Texte, Fotografie, 2023
Mantras aus dem Anthropozän, Ppierobjekte, 2023
Erkennen wir die alten Muster im neuen Design?
textile Objekte und Fotografie, 2022-23